Linke und rechte Freiheit3 Minuten Lesezeit

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Links und rechts sind nicht nur zwei unterschiedliche politische Spektren – hinter beiden stehen zwei unterschiedliche Interpretationen der Freiheit. Welche sind das?

In der Deutschen Geistesgeschichte herrscht für Freiheit ein besonderes Verständnis. Im Gegensatz zu englischen oder französischen Philosophen dachten deutsche Denker Freiheit meistens im positiven Sinne. Sei es von Leibniz zu Kant, von Schelling zu Heidegger – oft Stand die Freiheit zu Etwas im Fokus. So sei die Deutsche Freiheit, so Troeltsch während des Ersten Weltkrieges, die Freiheit zu “williger Pflichterfüllung”. Kant unterscheidet zwischen positiver und negativer Freiheit, wobei hier simpel zwischen Freiheit zu Etwas (z.B. Autonomie) und Freiheit von Etwas (z.B. Sklaverei) gemeint ist. Analog dazu verbergen sich innerhalb der Links/Rechts-Dichotomie hinter dem politischen System zwei gegensätzliche Interpretationen der Freiheit.

Unterschiedliche Bezugspunkte

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass ein Linker und ein Rechter Freiheit komplett gegensätzlich verstehen. Die (internationale) Linke – egal welcher Spielart auch immer – definiert ihre politischen Ziele über die Kritik am ökonomischen System. Je mehr sich dabei derjenige an Marx orientiert, desto offensichtlicher wird es. (Neo)Marxisten gehen davon aus, dass ihre Kritik von einem objektiven Standpunkt heraus geschieht, denn gemäß des historischen Materialismus interpretieren sie die Geschichte teleologisch. Es sei die Zwangsläufigkeit der Geschichte, dass letztendlich über verschiedene Phasen die kommunistische Utopie eintreten würde. Hier wird deutlich, dass sie damit auch die Freiheit vom kapitalistischen System implizieren, da der Kapitalismus als Bezugspunkt dient. Grundlage marxistischen Denkens ist also die negative Freiheit. Nicht ohne Grund spricht man von der “Befreiung vom Kapitalismus”. Dieser Denkansatz ist ein sehr radikaler, der die Gesellschaft von Grund auf umbauen möchte. Andere linke Strömungen, die nicht den Weg über ökonomische Verhältnisse gehen, benutzen dieselbe Methodik. So verstehen Ökofeministen die Welt über den Bezugspunkt Geschlecht. Die Rhetorik bleibt die Gleiche, wobei hier die Kritik aus der Perspektive eines unterdrückten Geschlechtes geübt wird. Proletarier und Kapitalismus werden durch Frauen und Patriarchat ausgetauscht.

Das Individuum im Fokus

Innerhalb rechter Kreise kann Freiheit unterschiedlich verstanden werden, wobei die Grenzen zueinander nicht klar definiert werden können. Auffallend ist aber, dass fast alle rechten Strömungen eines im Blick haben: das Individuum. Wie Linke haben auch Rechte einen Bezugspunkt gewählt, über den sie ihr Weltbild definieren. Das Individuum hat grundsätzlich immer Vorrang, im Zweifel entscheiden Rechte eher für das Individuum als für die Gesellschaft. Je nach Kreis wird dabei das Ziel verfolgt, die größtmögliche Liberalität zu erreichen. Sie wollen die Willensfreiheit und Autonomie, selbst zu entscheiden. Dabei müssen Forderungen und politische Ziele nicht immer mit dem gesellschaftlichen System kollidieren, da es ja nur darum geht, eine Alternative wählen zu dürfen und zu können.  Rechte interessieren sich also mehr für eine positive Freiheit. Das erkennt man schon an Forderungen wie Heimunterricht oder möglichst große wirtschaftliche Freiheit.

Offene Enden

Wichtig bei diesen Gedanken ist es aber, dass man nicht allzu sehr feste Grenzen zwischen politischen Gruppen setzen kann und oftmals lose Enden zu finden sind. Vor allem innerhalb extremistischer Kreise verschwimmen die Grenzen zwischen links und rechts, sodass sich Mischwesen aus linken und rechten Ideen bilden (zB. Stalinismus und Nationalsozialismus). Auch zu erwähnen sind Anarchisten, Libertäre, und Etatisten, die sich auf beiden Seiten befinden können und nicht immer klar einzuordnen sind. Zudem gab es im 21. Jahrhundert durch den Neoliberalismus eine unheilige Hochzeit zwischen extremer Individualisierung und einer gewissen Kollektivierung – Multikulti ist das beste Beispiel für diese Schimäre. Ein weiterer Punkt kann die Frage sein, ob Rechte nicht auch Freiheit positiv denken, wenn sie nach weniger Staat rufen. Das ist richtig. Allerdings bleibt dann die Frage zu stellen, ob solche Personen überhaupt noch zu den Rechten zu zählen sind.

Es ist aber nicht zu leugnen, dass hinter den beiden großen politischen Richtungen unterschiedliche philosophische Prämissen stehen, die im Grunde sehr verschieden sind. Die Gretchenfrage “Wie hältst du es mit der Freiheit?” kann den politischen Standpunkt vieler Menschen leicht offenbaren.

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