Ein Schiff vor Irlands Küste4 Minuten Lesezeit

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Schiffskatastrophen haben eine zynische Seite an sich: Einerseits handelt es sich um eine Katastrophe, andererseits eine willkommene Möglichkeit für den politischen Propagandisten. Dabei sind aber nicht nur die Redaktionen der ARD und des ZDF gemeint, wie die Tragödie der Lusitania im Jahre 1915 zeigt.

Am 07.05.1915 meldete Kapitänleutnant Walther Schwieger an Bord der U 20 die Torpedierung eines riesigen Passagierschiffes mit vier Schornsteinen. Um 14:20 Uhr erfolgte der Abschuss des vernichtenden Torpedos, der das Schiff auf der Steuerbordseite traf und es innerhalb von Sekunden sinken ließ. Eine zweite Explosion verstärkte die Zerstörungen. Insgesamt starben bei diesem Unglück 413 der 702 Besatzungsmitglieder und 785 der 1257 Passagiere, darunter 128 US-Bürger, da das Schiff aus New York anreiste – und dabei auch 5000 Kisten Munition für den Krieg in Europa transportierte.

Eine Katastrophe – aber kein Verstoß gegen das Seerecht

Der U-Bootkrieg im Ersten Weltkrieg gehörte zu einem der Umbrüche der Kriegsführung im 20. Jahrhundert. Anfangs sogar noch vom Kaiser abgelehnt, da das U-Boot eine feige Waffe und somit unmoralisch sei, willigte Kaiser Wilhelm im Februar 1915 zusammen mit dem Reichskanzler Bethmann Hollweg ein, auch das U-Boot als systematische Waffe zu nutzen. Daraufhin erklärte die Kaiserliche Marine die Gewässer um die britischen Inseln zur Kriegszone – jedes Schiff betrat seitdem auf eigene Gefahr diese Region. Zwar galt noch weiterhin eine eingeschränkte Krisenordnung, jedoch konnte sich ein Handelsschiff nicht darauf verlassen, vor der möglichen Torpedierung überprüft zu werden. Die RMS Lusitania war auf dem Weg nach Liverpool, wodurch sie in die Kriegszone eintreten musste. Rein seerechtlich war der Angriff auf dem Boden der damaligen Seekonventionen gerechtfertigt, denn durch den Munitionstransport verlor das Schiff den Schutzstatus ziviler Schiffe und war somit ein militärisches Objekt – was die U 20 aber nicht wissen konnte.

Ein Kreuzzug gegen junge und alte Deutsche

Die Versenkung löste in vielen Staaten eine riesige Empörung aus. Die New York Times schrieb: “Diese furchtbare Tat war unvorstellbar, bis sie tatsächlich verübt wurde. Sie übertrifft alle Gräuel.” Der New York Tribune war der Angriff ein Beweis dafür, dass “amerikanische Menschenleben geopfert  [werden], um den Blutdurst derer zu stillen, die in der deutschen Politik zu Wasser und zu Lande das Ruder führen.”. Der Bischof in London ereiferte sich sogar zu einer Brandrede von der Kanzel aus:

Zunächst sahen wir, wie Belgien der Dolch in den Rücken gestoßen und verwüstet wurde, dann Polen, dann Serbien: dann wurde das gesamte armenische Volk ausgelöscht – vorsichtigen Schätzungen zufolge wurden 500 000 Armenier ermordet. Um die Freiheit der Welt und die Freiheit an sich zu retten, um die Ehre der Frauen und die Unschuld der Kinder zu retten, um all das zu retten, was in Europa am edelsten ist, schließen sich deshalb alle, die Freiheit und Ehre hochzuhalten […] zu einem großen Kreuzzug zusammen, der – wir können es nicht leugnen – zum Ziel hat, Deutsche zu töten. Sie zu töten, nicht um des Tötens willen, sondern um die Welt zu retten. Die Guten wie die Bösen, die Jungen wie die Alten zu töten. Diejenigen zu töten, die unseren Verwundeten gegenüber barmherzig waren, ebenso wie die Ungeheuer, die einen kanadischen Sergeanten kreuzigten, die Massaker in Armenien überwachten, die Lusitania versenkten und in Aarschot und Löwen ihre Maschinengewehre auf Zivilisten richteten – sie töten, damit am Ende nicht alle Zivilisationen der Erde ermordet werden.

Die USA veröffentlichen zur Rekrutenanwerbung auch ein pathetisches Poster. Eine Frau sinkt dabei mit einem Säugling im Arm auf den Meeresboden. Daneben steht “ENLIST”. Der Untergang der Lusitania am 07.05.1915 war für die Entente eine wahre Propaganda-Goldgrube, um am Bild des bösen, barbarischen Deutschen zu arbeiten. Die Opfer des Untergangs wurden zu Opfern der Propaganda.

Die richtigen Schiffe müssen sinken

Schiffskatastrophen gehören zur Seefahrt hinzu. Auffallend ist jedoch, mit welcher Inkonsequenz hierbei im gesellschaftlichen Diskurs den jeweiligen Katastrophen Bedeutung und Aufmerksamkeit zugemessen wird. Klar ist – ein Mensch sollte nicht im offenen Meer ertrinken müssen. Diese doch eigentlich einem gesunden Menschenverstand entspringende Denkweise scheint aber nicht immer zu gelten. Hier scheint es gute und böse Ertunkene zu geben. Wer spricht heute noch über die Wilhelm Gustloff? Niemand, falls sich Personen überhaupt an dieses Kriegsverbrechen Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern. Im Vergleich sehen deutsche Historiker im legitimen Angriff auf die Lusitania selbst die “Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts”, denn viele “U-Boot-Krieger des Ersten Weltkrieges nahmen im Dritten Reich wichtige Positionen ein” (Willi Jasper). Wieder einmal bestätigt sich die Erkenntnis, dass Historiker aus Deutschland Geschichte nur über das Dritte Reich definieren können.

Man fragt sich, wie die Historiker in Zukunft die ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer erklären wollen – die allbekannte Lösung “Drittes Reich!” ist zu dem Zeitpunkt nicht mehr gegeben. Höchstwahrscheinlich wird sich Eines nicht ändern: Ertrinken die Richtigen, ist  Instrumentalisierung angemessen und vernünftig. Egal ob New York Times oder die Tagesschau – beide benutzten die Toten des Meeres für ihre politische Propaganda. Es ist nur dann verboten, wenn die Toten Deutsche sind.

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