Das blinde Verbrechen10 Minuten Lesezeit

Wehwalt KesslerVeröffentlicht von

Seit der Flüchtlingskrise hat ein Keil die Gesellschaft gespalten.

Der Keil

Grundschulkinder berichten am Mittagstisch, daß man niemals AfD wählen dürfe, weil das der Lehrer gesagt hätte. Freundschaften zerbrechen auf privater Ebene und in den sozialen Netzwerken werden Bekannte blockiert, weil sie sich kritisch zur „Asyl“-Politik der Regierung geäußert haben. Musiker werden mit Eiern beworfen, weil sie zuvor einen Post eines AfD Politikers auf Facebook geteilt haben. Viele Selbständige müssten um ihre Existenz bangen, wenn sie unter Klarnamen öffentlich Stellung zu bestimmten Themen beziehen würden.

Dies sind nur einige Beispiele dafür, daß etwas gehörig schief läuft.
Seit der Flüchtlingskrise hat ein Keil die Gesellschaft gespalten.

Aber nicht nur über die Frage nach unkontrollierter Einwanderung hat eine altersschwache, ächzende 68er Generation samt verblendeter Nachkommenschaft die moralische Deutungshoheit. Denn wehe, man ist offen gegen die Homo-Ehe, dann kann man sich gleich von seinem progressiven Freundeskreis verabschieden, denn ein derartiger Rückfall in mittelalterliche Barbarei kann und darf ein mündiger und verantwortungsvoller Bürger nicht hinnehmen. Das Gleiche gilt für die Akzeptanz alternativer Familienmodelle oder das neumodische „Gendern“. Von der geplanten Zerstörung traditioneller und natürlicher Ästhetik mal ganz abgesehen.

Die Frage stellt sich, ob ein gemeinsames Element existiert, das sich sprichwörtlich wie ein roter Faden durch all die genannten Themen zieht. Haben wir es mit einer Verschwörung zu tun, die auf die Vernichtung der Grundlage unserer Werte abzielt, um einen dämlichen Beta-Menschen zu schaffen, der leicht beherrschbar ist? Möglich wäre es, aber ein Motiv macht noch lange keinen Mörder. Daher stellt sich die Frage nach dem Mechanismus im Denken, der zu einer solchen Spaltung der Menschen führt.

Die Denkarten

Grundsätzlich waren die Menschen schon immer in ihrem Denken durch ein einfaches Kriterium zu unterscheiden. Welche beiden Arten von Menschen gibt es? Der Soziologe Max Weber hat dafür zwei Begriffe geprägt, die in ihrer Klarheit und Wichtigkeit so enorm hilfreich für die aktuellen Diskussionen wären, daß ihr auffällig seltener Gebrauch kein bloßer Zufall sein kann. Denn sobald wir verstehen, aus welchen zwei Arten von Menschen unsere Gesellschaft zusammengesetzt ist, werden wir uns nicht mehr gegenseitig bei Brot und Spielen zerfleischen. Denn der Gesinnungsethiker und der Verantwortungsethiker müssen gemeinsam die Menschheit in die Zukunft führen. Gesinnungsethik und Verantwortungsethik. Das sind also die Gegensätze. Man könnte sie auch „Gutmensch“ und „Geldmensch“ nennen, wie es die österreichische Managment-Trainerin Christine Bauer-Jelinek in ihren sehr lesenswerten Büchern zu bezeichnen pflegt.

Der Gutmensch

Aber wer ist der Gesinnungsethiker bzw. der „Gutmensch“? Er ist ein Idealist, der seine moralischen Ziele über die gegenwärtige Situation stellt. Er ist oft ein Visionär, der die Menschheit nach vorne bringen kann, aber er kann niemals eine Entscheidung treffen, die von großer Verantwortung geprägt ist. Der Gesinnungsethiker könnte sich niemals vorstellen, die Grenzen seines Landes mit Waffengewalt zu verteidigen, obwohl er in einem anderen Kontext kein Problem mit bewaffneten Polizisten hätte, ginge es um die unmittelbare eigene Sicherheit. Der Gesinnungsethiker stellt sich die Frage, ob man einem Attentäter nicht besser angriffsunfähig geschossen hätte, so wie das zum Beispiel Renate Künast in ihrer selten dämlichen Aussage im Sommer 2016 aufgrund der tödlichen Schüsse auf einen axtschwingenden afghanischen Amokläufers im Zug gefordert hatte. Auch kann sich der Gesinnungsethiker selbst bei gutem Willen nicht vorstellen, daß sich Menschen Geschichten ausdenken und Lügen erzählen, nur um an unsere Sozialleistungen heranzukommen. Warum er es sich nicht vorstellen kann? Weil er insgeheim seine eigene Ethik als selbstverständliches Maß aller Dinge sieht und daran glaubt, daß der Mensch von Geburt an gut sei. „Halt‘ mal still, ich habe einen neuen Trick in der Selbstverteidigung für Frauen gelernt!“. Aber ein Dreckschwein wird nicht stillhalten, sondern sich mit komplettem Körpergewicht und ganzer Kraft auf die Frau stürzen, um sie besinnungslos zu prügeln. Daher werden auch Schwarzgurt-Trägerinnen vergewaltigt. Täter denken nicht wie Trainer, ein weiteres Beispiel für den erschreckenden Kontrast zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, der prägend für die Wahrnehmung der Gutmenschen ist. Eingelullt in eine wattierte Welt des Wohlstandes, ohne jemals wirklich Not, Kummer und Gewalt erlitten zu haben, wähnt er sich durch die Unterstützung des medialen Dauerfeuers auf der Seite der absoluten Gerechtigkeit. Daher reagiert der Gesinnungsethiker auch mit Abscheu und Verachtung auf alle, die ihn auf die tatsächliche Realität hinweisen.

An dieser Stelle kann man auch sehr gut die Verantwortungslosigkeit der Medien erkennen, die in dieses Feuer durch Sprachmanipulation (wer oder was beispielsweise „Nazi“ oder „rassistisch“ genannt werden darf) fleißig Öl gießen, anstatt die Stimme der Mäßigung sprechen zu lassen. Anstatt dem Gutmenschen behutsam einen Sachverhalt aus anderer Perspektive zu zeigen, bestätigen sie ihn in seinem Affekt so stark, daß er sogar dazu neigt, Handlungen vorzunehmen, die er eigentlich in seiner Eigenschaft als Gutmensch ablehnen müßte, wie z.B. Sachbeschädigung oder üble Nachrede. Denn für solche Fälle hat der Gutmensch eine Art geistiges Konto, welches so stark mit guten Taten gefüllt ist, daß man – im Sinne der guten Sache, versteht sich – auch mal über die Stränge schlagen darf. Wer monatelang Fair-Trade einkaufen war und dem künftigen Bereicherer der eigenen Frau (wovon der “Guti” aber nix wissen will) Teddys hinterhergeworfen hat, besitzt auch das moralische Recht, am Stand einer patriotischen Partei zu randalieren. Immerhin geht es gegen Nazis! Der Gesinnungsethiker muß unbedingt das vierte Reich verhindern und sich mit allen Kräften gegen die Unterdrückung der Homosexuellen einsetzen. Er gaukelt sich selbst Verantwortungsethik vor. Daß er hierbei übersieht, daß es bei diesen Fragen vielmehr um die Sicherung der Grenzen geht oder ein Nein zur Homo-Ehe meilenweit von der schändlichen Verfolgung Homosexueller entfernt ist, ist eindeutig die Schuld der Medien und ihrer verantwortlichen Chefredakteure. Diese haben zugelassen oder gar forciert, daß Texte veröffentlicht werden, die den Gutmenschen genau das glauben lassen. Sie werden regelrecht eingelullt in einen Nebel der Selbstgefälligkeit, der ihnen die Illusion vermittelt, sie seien ganz besondere Verteidiger der Freiheit und Vorreiter einer paradiesischen neuen Welt. Daß sie in Wirklichkeit lediglich Kinder ihrer Zeit sind und leichte Propagandabeute, kommt ihnen nicht in den Sinn. Das Ganze geht schließlich so weit, daß der Gesinnungsethiker entgegen seiner Gesinnung zum Denunzianten wird, da der höhere Zweck die Mittel rechtfertige.

Der Geldmensch

Aber wie steht es um den Verantwortungsethiker? Dem Geldmenschen? Er sieht gerne in die Zukunft und beschäftigt sich eher mit realen Problemen und sorgt gerne vor. Geldmenschen sind diejenigen, die im Falle einer Wahl zwischen Apfel und Geldstück immer das Zahlungsmittel wählen, weil sie genau wissen, daß sie sich damit noch mehr Äpfel kaufen können. Für diese eigentlich sehr offensichtliche Denkleistung benötigt man vorausschauendes Denken. Das fängt bei der Lebensversicherung an und hört bei der Skepsis gegenüber Einwanderern lange nicht auf. Und auch das ist gut so. Nein, sogar sehr gut so! Denn wir müssen annehmen, daß in der heutigen Zeit der Gutmensch eher in der Pflicht steht, aus seinen gesellschaftlichen Gegenpart zuzugehen, da sich der Verantwortungsethiker in der letzten Zeit kaum verändert hat. Natürlich ist auch er anfällig für Propaganda und Falschmeldungen, vor allen Dingen jene, die an seine Angst appellieren. Dennoch ist der Geldmensch eher dazu bereit, sich auf gute Argumente einzulassen und besitzt, wie man sehr gut in öffentlichen Diskussionen beobachten kann, die Fähigkeit zur Differenzierung, während sein ideologischer Gegenpart meistens nur vorgefertigte Denkreflexe (Nazi! Verschwörungstheoretiker! Rassist!) herunterbeten kann.

Wir haben erkannt, daß der Gesinnungsethiker ein Visionär ist, der sich gerne für eine goldene Zukunft der Menschheit einsetzen würde. Warum genügt dies nicht? Diese Frage läßt sich sehr einfach beantworten: Weil es immer jemanden geben muß, der dafür sorgt, daß der andere nicht „abhebt“. Und es muß immer jemanden geben, der sich Gedanken über Vorräte macht, und nicht von der Hand in den Mund lebt. Individuen, die erkannt haben, daß der Belohnungsaufschub essenziell für das Erschaffen und Erhalten einer Zivilisation ist. Verantwortungsethiker erkennen auch die Gefährdung für das eigene Rettungsboot, sobald die Grenzen seiner Kapazität durch Gerettete erreicht sind. Und sie können dies auch als Vergleich für das eigene Land anwenden. Wären die Menschen nicht stetig dem Trommelfeuer an Falschinformationen und Wahrheitsverdrehungen ausgesetzt, würde jedes normal denkende Individuum, ganz gleich ob Gesinnungs- oder Verantwortungsethiker, dem anderen zuhören und sie würden gemeinsam eine Lösung finden. Oder sich zumindest gegenseitigen voltairianischen Respekt.

Das blinde Verbrechen

Aber um welches Verbrechen handelt es sich nun konkret? Haben wir es, wie oben bereits angedeutet, mit einer Verschwörung zu tun? Die Antwort kann viel ernüchternder sein. Der vermeintliche Schöpfer des Lebens, der von Richard Dawkins als „Blinder Uhrmacher“ bezeichnet wird, ist eine Metapher für die Vorgänge eine kumultativen Selektionsprozesses, der den Anschein einer Planung vermittelt. Ganz ähnlich kann man es auch im Falle der ideologischen Durchseuchung der zentralen Stellen des Bildungswesen sehen. Das blinde Verbrechen wäre eine gesellschaftliche Analogie zur modernen Evolutionslehre Dawkins. Kein Mastermind? Kein Soros? Keine Verantwortung für die zahlreichen NGOs, die unablässig für ihre unmenschlichen Pläne Propaganda betreiben? Natürlich tragen sie ihren Teil zur Schuld bei, aber auch nur einen Teil. Ihre Existenz erklärt nicht die Frage, weshalb diese Ideologien so einfach auf geistigen Nährboden stoßen und zu Selbstläufern werden. Das blinde Verbrechen besteht darin, dem einen Teil der Menschheit unbewußt eine moralische Überlegenheit zu attestieren und den anderen zu dämonisieren. Natürlich sind die Medienschaffenden auf der Seite des Guten. Das leuchtet ein, denn schließlich sind es die Medien, die sich kollektiv an diesem größten Verbrechen der letzten Zeit schuldig gemacht haben. Genauer gesagt handelt es sich um einen Selektionsmechanismus, der dafür sorgt, daß sich am Ende entweder der Verblendete oder der Selbstzensierte mit seinen Texten durchzusetzen vermag. Chefredakteure, also alle Verantwortlichen, die ihre Torhüter-Funktion und journalistische Sorgfaltspflicht vernachlässigt haben, tragen die Verantwortung dafür, ein Selektionsklima geschaffen zu haben, in dem weltfremde Anarchisten, hoffnungslose Alt-Linke bis hin zu überheblichen, dummen Praktikanten prächtig gedeihen, um ihre Meme, das heisst, ihre geistigen Erbfragmente, auf die Leserschaft ejakulieren zu dürfen. Das Ziel ist klar: Ausländer und Homos und alles andere, was geeignet ist, die derzeitigen Vorstellungen von Ordnung zu zersetzen, ist einfach nur großartig – AfD und Donald Trump verkörpern hingegen das Böse.

Wie kann man dem entgegenwirken? Zunächst muß das Problem unmittelbar bekämpft werden, was die alternativen Medien noch sehr gut hinbekommen und der AfD im Internetzeitalter den Erfolg beschert hat, den die Republikaner bereits in den 90ern verdient hätten. Das ist aber noch nicht alles. Das Problem muß an der Wurzel gepackt werden. Man muß die Kinder vor der Propaganda der Lehrer schützen, alternative Schulformen (z.B. Heimunterricht) fördern, die Arbeiter müssen auch von patriotischen Gewerkschaftern vertreten werden und die Studenten haben ein Anrecht auf entlausten AStA (Allgemeine Studentenausschuss) frei von den zerstörerischen Auswirkungen der Frankfurter Schule. Das wäre ein Anfang. Und eine breit angelegte Diskussion gerade um diese beiden so gegensätzlichen Denkweisen der Gutmenschen und der Geldmenschen. Die Verantwortungsethik braucht ihren festen Platz in der Ethik, denn eine Gesellschaft kann nicht ohne verantwortungsbewußte Individuen funktionieren. Und mit Verantwortung meinen wir selbstverständlich die Verantwortung gegenüber uns selbst und nicht das Abdienen einer ominösen Schuld oder eines schlechten Gewissens, worin die Deutschen der Neuzeit zwar nicht die Weltherrschaft, aber wenigstens den Weltmeistertitel innehaben.

Literaturempfehlung:
Christine Bauer-Jelinek: Die geheimen Spielregeln der Macht. Und die Illusionen der Gutmenschen. Ecowin, 2007; ISBN-13 978-3902404411.

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Ein Kommentar

  1. Vergessen wurde: der Realist
    Dieser Mensch nimmt die Steuerungselemente wahr und zieht seine Schlüsse. Er denkt selbst und lässt nicht denken. Er nimmt wahr, das dem UNHCR 2014/2015 die Mittel derart gekürzt wurden, dass die Leute in den Flüchtlingslagern ausserhalb der EU, verhungert wären, wenn sie nicht gegangen wären. Es ist ihm absolut klar, dass die Flüchstlingsströme auf diese Art gesteuert wurden. Ausserdem weiß er, dass es entsprechende Pläne gibt, die Bevölkerung in Europa zu tauschen, denn er kann Google bedinen –> https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/zukunft/resettlement oder auch https://www.youtube.com/watch?v=dT-_euN7acE und http://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/migration-erpressung-die-neue-superwaffe-1609116.html

    Der Realist ist in der Lage einzuschätzen, was das für seine eigene Zukunft und die Zukunft seiner Kinder bedeutet.

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